Die Sache mit den Mess-Systemen


Vor einigen Tagen habe ich ein Facebook-Posting von einem Händlerkollegen gelesen, in dem es um eben dieses Thema ging. Er arbeitet selbst auch mit EQUIscan und bezeichnete das Anpassen von Westernsätteln (gerade im Bereich der Gebrauchtsättel) ohne Mess-Sytem als "Kaffeesatzlesen". Der Vergleich ist vielleicht etwas drastisch, aber im Grunde genommen hat er damit durchaus Recht.

 

Im Bereich der klassisch Sättel ist es seit je her völlig normal, dass Sattler Pferde vermessen und sich Notizen machen. Auch wenn es sich hierbei "nur" um einen Widerrist(winkel)messer und um Biegelineale handelt, so wird doch in gewisser Weise die Rückenformn des Pferdes dokumentiert.

 

Im Westernbereich scheint der EInsatz solcher Hilfsmittel extrem verpönt zu sein. Las ich doch kürzlich noch sinngemäß Aussagen wie "Ein Sattler der sowas braucht, versteht sein Handwerk nicht." Und auch im Gespräch mit den Kinden vor Ort hört man immer wieder, dass sich Kollegen in endlosen Monolgen darüber auslassen, warum das Vermessen überhapt nicht notwendig ist und wieso EQUIscan überhaupt nicht funktionieren kann und wieviel Erfahrung man selber schließlich hat und so weiter...und so weiter...und so weiter.

 

Also, um es noch einmal ganz deutlich zu sagen: ein Mess-System -egal welches- ist ein Hilfsmittel. Ein Werkzeug, so wie ein Zollstock. Nicht mehr und nicht weniger. Es dient dazu, die Form des Pferderückens zu erfassen. Und zwar als Referenzwert in einem, nennen wir es mal 0-Zustand. Dieser ist dann mein Ausgangspunkt. Die Basis von der aus ich den Sattel aussuche und mit deren Hilfe ich ihn auf Schulterfreiheit, Winkelung im Bereich der Schulter und (ganz wichtig) des Rippenbogens und zu guter letzt der Biegung in der Längsachse überprüfen kann.

 

Und natürlich wird die Vermessung im Stand gemacht, wie soll es auch anders möglich sein? Selbst die Sattelbaumaufleger passen im Stand an. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich jemals jemanden erleben werde der den Sattelbaum haltend neben einem galoppierenden Pferd her rennt...

 

Und ja...ich höre förmlich, wie die Stimme des Besserwissens in Eurem Kopf schreit " ABER MEIN PFERD WÖLBT DOCH IN DER BEWEGUNG DEN RÜCKEN AUF!!!???"

 

Nun, hoffen wir zum ersten, dass es das wirklich tut. Und wenn, dann "wölbt" es den Rücken nicht im wörtlichen Sinne auf (es macht also keinen "Katzenbuckel") sondern es hebt den Rücken über die gesamte Länge. Wie auf dem folgenden Bildern zu sehen ist.

 

Hier wird der Rücken im Bereich des Brustbeins manipuliert. Als Folge davon hebt das Pferd den Widerrist an, was natürlich auch eine Auswirkung auf den restlichen Rückenverlauf hat. Diese Reaktion auf die manuelle Manipulation ist eher mit dem Verhalten des Rückens in der Bewegung unter dem Reiter zu vergleichen, wie das "hochkitzeln" unterm Bauch. Dies löst eher einen Reflex aus und ist nicht mit einer Versammlung zu vergleichen. Bild: EQUIscan

 

Das ist im übrigen auch einer der Punkte, die auch durch die Kunden vor Ort immer wieder angesporchen werden. Tritt man den "Gegenbeweis" an, sieht man eigentlich recht schön, dass sich die eigentliche Sattellage von der Form her nicht oder nur wenig verändert und der Topograph, wie auch später der Sattel, im Schulter- und Lendenwirbelbereich nur mehr Freistellung bekommt.

 

Aber noch einmal zurück zu eigentlichen Thema...

 

Der Topograph hilft mir also dabei, meine Idee oder Vermutung welcher Sattel in Frage kommen könnte zu überprüfen. Er nimmt mir aber nicht die eigentliche Entscheidung ab. Die treffe ich immer noch selber. Und das passiert dann in einer klassichen Sattelanprobe auf dem Pferd und natürlich auch unter dem Reiter.

 

Für mich steht einfach folgendes fest:

  • Die Kontrolle eines gebrauchten Sattels ist ohne ein Hilfsmittel/Mess-System NICHT möglich. Ein "Erfühlen" ist nur im Bereich der Schulter und des Lendenwirbelbereichs möglich. Der Bereich unterhalb der Sitzfläche lässt sich so nicht überprüfen, da ein Anheben des Sattels das Ergebnis verfälscht. Und anders wie einige "Kollegen" behaupten, kann ein gebrauchter Sattel durchaus aus seine Passform überprüft werden.
  • Durch die Arbeit mit EQUIscan kann ich jeder Zeit die Rückenform des Pferdes zum Zeitpunkt der Auftragserteilung reproduzieren. Damit kann ich auch Veränderungen beim Pferd sichtbar machen und erklären. (Auch sehr hilfreich bei Diskussionen mit Aussagen wie "...und der hat gesagt, der Sattel kann ja NIIEE gepasst haben.")
  • Ich kann präzise Messdaten an meine Sattelhersteller übermitteln, die diese dazu nutzen können einen Sattelbaum zu modifizieren oder herzustellen.

Solltet Ihr Fragen zu meiner Arbeit oder dem Einsatz des Mess-System haben, könnt Ihr mich gerne kontaktieren. Schreibt mir einfach an eine E-Mail.